Die Nikolai-Kirche in Hiddestorf

Die Gründung der Nikolai-Kirche wird nach heutigem Kenntnisstand auf die Zeit 900 bis 1000 n.Chr. datiert. Sie wurde im romanischen Stil erbaut und trägt den Namen des Bischofs Nikolaus von Myra in Kleinasien (Türkei). Er galt der Legende nach als Patron der Reisenden und Schiffer. Hiddestorf liegt an einer alten Handels- und Heerstraße zwischen Pattensen und Ronnenberg.
In der Stadt Hemmingen ist die Nikolai-Kirche das älteste Bauwerk, gefolgt von der Kirche in Wilkenburg (ca. 1100
n.Chr.). Das Kirchensiegel zeigt in einer Abbildung den Bischof Nikolaus, der in seinen Händen die Hiddestorfer Kirche trägt.
Aus der katholischen Zeit stammt auch das Bild der „Madonna mit Kind im Strahlenglanz“. Es wurde übermalt, da es ein Restaurator damals durch fehlerhaftes Arbeiten zerstört hat. Die ältesten Stücke im Innern der Kirche sind die beiden Altarleuchter. Sie wurden laut Innschrift im 1630 von Frau Lucia Elisabeth von Marenholz, der Hausfrau des Erasmus Lathausen, gestiftet. Der Familie Latthausen  gehörte ein Adelshof in der Nähe der Kirche. Die Familie ist später ausgestorben.

Der Taufstein stammt aus dem Jahr 1650. Er trägt die Innschrift:

Außerdem befindet sich die Jahreszahl 1651 auf dem Taufstein, was sich später aber als falsch erwies. Eine Rechnung aus dem Jahr 1650 über 15 Reichsthaler, 10 Groschen und 9 Mariengroschen Verzehrgeld belegt das Alter des Taufsteins.  Der Taufstein wurde zeitweise als Blumenschale außerhalb der Kirche genutzt.
Im Jahr 1934 fand eine umfangreiche Renovierung der Kirche statt. Die beiden Seiteneingänge wurden verschlossen und ein neuer Haupteingang im Turm geschaffen.

verschlossener Kircheneingang links
verschlossener Kircheneingang rechts

Außerdem wurden die Seitenemporen und die Priechen entfernt. Als Priechen, ursprünglich gleichbedeutend mit Empore, wird der vom allgemeinen Kirchengestühl abgesonderte Sitzplatz der höheren Stände einer Kirchengemeinde bezeichnet.
Früher gab es einen Hochaltar mit zwei Seitentüren und einer Kanzel über dem Altar. Sie wurden ebenfalls 1934 entfernt. Die Kanzel kam an ihren heutigen Standort und an der früheren Stelle wurde ein Rundbogenfenster mit dem „Weihnachtsbild“ eingesetzt. Das „Weihnachtsbild“ wurde von Prof.Fischer, dem damaligen Leiter der Renovierungs-arbeiten, entworfen.
Der heutige Steinaltar, das Kreuz und die Bibel wurden von der Gemeinde ebenfalls im Jahr 1934 gespendet.
1974 fanden erneut Renovierungsarbeiten statt. Man verkürzte die Empore, ersetze die Sitzbänke durch Stühle und mauerte ein Seitenfenster zu. Bei Restaurierungsarbeiten wurden auch die beiden Weihekreuze an den Kirchen-wänden freigelegt. Sie waren typisch für die damaligen romanisch-gotischen Kirchen. Üblicherweise wurden damals immer 12 Weihekreuze dargestellt. Es ist nicht bekannt, ob die anderen Weihekreuze übermalt wurden oder ob sie sich vielleicht in der bis heute nicht gefundenen Gruft befinden.

Weihekreuz links
Weihekreuz rechts

Der Taufstein bekam 1974 einen höheren Sockel. Die Kanzel ist aus zwei Bankteilen der früheren Bänke zusammengesetzt. Die eine Hälfte trägt die Jahreszahl 1639, die andere Hälfte wurde 1934 von Friedrich Borchers gefertigt. Dieser Teil trug das damals übliche Hakenkreuz, welches heute übermalt ist.
1949 wurde der mit Früchten verzierte Leuchter an der Decke gespendet.

Würde man die Früchte und den Kerzenhalter entfernen, passt der Leuchter als Deckel auf den Taufstein. Ebenfalls aus dem Jahr 1949 stammt der von Drechsler Lüpke erstellte Holzleuchte an der Decke.

Die Orgel wurde 1978 von der Firma Hammer Orgelbau aus Arnum erbaut. Franz Rietsch aus Hiddestorf, ein Mitarbeiter der Firma Hammer, war mit der Durchführung betraut.

1891 wurde der Turm der Kirche umgebaut. Statt des treppenförmigen Oberteils wurde ein 8-teiliger, schiefergedeckter Helm aufgesetzt. Auch die spitzbogigen Schallöffnungen stammen aus dieser Zeit.

Kirchturm von 1891
Zeichnung Kirche mit Treppengiebel von 1879

Die Kirche ist von einigen wenigen Gräbern aus dem 18. und 19. Jahrhundert umgeben. Der Baumbestand auf dem Kirchhof ist etwa 130 Jahre alt. Die Zeichnung zeigt den Turm mit Treppengiebel und romanischne Fenster mit Mittelsule. Die Zeichnung ist datiert auf den 10.09.1879 und wurde zufällig auf einem Flohmarkt entdeckt.

Nur noch ein Fenster stammt aus den romanischen Anfängen der Kirche (wenn man die Kirche betritt links oben das erste kleine Fenster). Alle anderen Fenster sind später hinzugekommen.

romanisches Kirchenfenster von innen
romanisches Kirchenfenster von außen

Innenansicht des letzten romanischen Fensters

Außenansicht des letzten romanischen Fensters